Zusammenfassung der ersten Mahnwache

demofront

Das Tierversuchslabor Nycomed in Willinghusen bei Hamburg war 4 Tage lang das Ziel der Proteste eines Bündnisses von Tierrechtler_innen und Tierbefreier_innen. Vom 13.-16.5. belagerten die Aktivist_innen das Haupttor des Labors. Das ehemals zu Altana Pharma gehörige und nun von Nycomed geführte Labor ist eines der größten in Deutschland. Im so genannten „Institut für präklinische Arzneimittelsicherheit“ arbeiten über 100 Menschen und töten im Zuge der Tierversuche jedes Jahr zwischen 1000-2000 nicht-menschlicher Tiere (darunter Beagle-Hunde, sog. „Nager“ und „Minipigs“).

demoseite

Den Auftakt der Mahnwache bildete eine Demonstration durch den Ort Willinghusen mit ca. 50 Teilnehmer_innen. Viele der Anwohner_innen kamen aus ihren Häusern und wurden in Gesprächen und mit Flyern über die Hintergründe des Protestes informiert. Im Anschluss an die Demonstration begannen die Aktivist_innen damit, ihren Unmut vor den Mauern des Labors lautstark zu äußern. Die Mahnwache vor dem Tor wurde je nach Tageszeit von ca. 10-50 Aktivist_innen aufrecht erhalten. Jeder Wagen, der das Tor passieren wollte, wurde auf dem Zufahrtsweg zum langsamen Fahren bewegt und mit Transparenten und Megaphonen entlang der ca. 50m langen Einfahrt „eskortiert“. Dabei wurden die Mitarbeiter_innen und Zulieferer_innen auf ihre Taten bzw. ihre Zusammenarbeit mit Tiermörder_innen lautstark aufmerksam gemacht. Nycomed hatte im Vorfeld vielen Mitarbeiter_innen Zwangsurlaub verordnet und zusätzliche Sicherheitsleute zur Bewachung des Geländes angefordert. Außerdem wurde ein Shuttle-Service für die Mitarbeiter_innen eingerichtet, damit sie nicht mit ihren Privat-PKW durch die Menge der Aktivist_innen fahren mussten. Schon am ersten Tag machte sich der psychische Druck auf die Mitarbeiter_innen bemerkbar. Der Shuttle-Fahrer rammte beim Einparken auf dem Gelände einen Stein, welcher aus Sicherheitsgründen am nächsten Tag entfernt wurde. Am 3. Tag der Mahnwache wurde der Shuttle-Fahrer durch einen neuen ersetzt, weil er dem psychischen Druck offensichtlich nicht mehr gewachsen war. Der neue Fahrer wurde jedoch schon nach kurzer Zeit in einen Auffahrunfall mit dem Privat-PKW eines Mitarbeiters verwickelt. Auch einer der Zulieferer wurde nervös und rammte mit seinem LKW einen Seitenpfosten des Tores, wodurch sich das Tor nicht mehr schließen ließ. Ironischerweise war der Lastwagen mit der Aufschrift „Kompetenz für Tür und Tor“ versehen… Am letzten Tag der Mahnwache war der Druck so groß geworden, dass ein Aktivist von hinten angefahren wurde. Der Vorfall wurde zur Anzeige gebracht und der Betroffene ärztlich versorgt.

tor

Um dem Protest sowohl vor dem Labor als auch in Hamburg und den umliegenden Orten Gehör zu verschaffen, gab es am 3. Tag der Mahnwache eine Fahrraddemo mit ca. 20 Teilnehmer_innen von Hamburg über Barsbüttel nach Willinghusen. Auf ihrem Weg hielten die Aktivist_innen mehrere Zwischenkundgebungen unter anderem vor Escada und Biba sowie dem Barsbütteler Rathaus ab und versuchten auch sonst, mit Aufnähern, Plakaten, Trillerpfeifen und Megaphonen auf die Missstände in Willinghusen aufmerksam zu machen.

Bis auf wenige Ausnahmen war die Resonanz der Anwohner_innen und Passant_innen durchweg sehr positiv. Es ist zu hoffen, dass durch die Aktionen auch die Anwohner_innen wieder motiviert werden konnten und ihre Arbeit in der Bürgerinitiative gegen das Tierversuchslabor wieder aufnehmen werden.

Die nächsten Aktionen gegen das Labor werden schon vom 18.-20.6.08 stattfinden wenn dort hinter den Zäunen eine Veranstaltung unter dem Namen: „Einführung in die Toxikologie für Chemiker“ stattfinden wird.


1 Antwort auf “Zusammenfassung der ersten Mahnwache”


  1. 1 Till Kraemer 29. Mai 2008 um 19:04 Uhr

    Aloha… Herzlichen Dank für die super Aktion und den klasse Bericht! Cheers, Till

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.